Tiere im Winter

Während wir uns im Winter auf eine mollig warme Stube freuen können, beginnt nun für viele Wildtiere in unserer Umgebung eine entbehrungsreiche Zeit, da sie sich vor Frost schützen müssen und in der Natur nicht mehr genügend Nahrung finden. Dennoch gelingt es ihnen, die Monate bis zum nächsten Frühjahr unversehrt zu überbrücken, indem sie im Sommer und Herbst die richtigen Vorkehrungen treffen und sich ihr ganzer Organismus auf die Kälte einstellt.

Winterschlaf

Besonders ausgeprägt ist dies bei echten Winterschläfern wie Igel, Siebenschläfer, Murmeltier oder auch Fledermaus. Diese Säugetiere sind dazu in der Lage, ihre Körpertemperatur auf ein sehr niedriges Niveau abzusenken, teilweise bis knapp über dem Gefrierpunkt! Gleichzeitig laufen all ihre Körperfunktionen auf Sparflamme – die Atmung ist schwach, der Herzschlag verlangsamt sich und der Stoffwechsel kommt nahezu zum Stillstand. Das Gute dabei: Die Tiere verlieren während des Tiefschlafs kaum Energie und können über Monate ohne Nahrungsaufnahme auskommen.

Erstaunlicherweise geben aber nicht sinkende Temperaturen oder Nahrungsmangel den Impuls für den Winterschlaf, sondern die Tageslänge, die hormonelle Veränderungen bewirkt und quasi die innere Uhr der Tiere steuert. Um nicht allzu sehr dem Frost ausgesetzt und zudem vor natürlichen Feinden geschützt zu sein, ziehen sich die Winterschläfer in Verstecke zurück, die sie ordentlich auspolstern. Murmeltiere tragen beispielsweise alljährlich bis zu 15 Kilogramm trockenes Gras in ihren Bau. Zudem futtern sie sich im Spätsommer ein ordentliches Fettpolster an, von dem sie zehren können. Während ihres etwa sechs Monate langen Winterschlafs verlieren sie dann bis zur Hälfte ihres Körpergewichts. Bei Feldhamstern reicht die Energiereserve nicht bis zum Frühjahr aus. Sie legen daher in ihrer unterirdischen Behausung eine regelrechte Vorratskammer überwiegend mit Körnern an, aus der sie sich gelegentlich bedienen. Um einen permanenten Tiefschlaf handelt es sich beim Winterschlaf nämlich nicht, er ist durchaus von kurzen Wachphasen unterbrochen.

So halten Igel Winterschlaf

Eingemummelt in einen Laubhaufen und möglichst gut geschützt unter einem dichten Strauch, verbringt der Igel seinen Winterschlaf zwischen November und März. Jungtiere sind im Spätherbst jedoch häufig noch länger aktiv, bis sie sich genügend Fettreserven angefuttert haben.

Unser Tipp

Igelhilfe

Bei mildem Winterwetter ist es durchaus üblich, dass die stacheligen Gesellen ihren Schlaf für einige Stunden unterbrechen. Meistens verbringen sie diese Phasen in ihrem Nest. Manchmal verlassen sie dieses jedoch, um Harn abzusetzen. Werden sie an ihrem Rückzugsort wiederholt gestört oder wird dieser sogar zerstört, machen sie sich auf die Suche nach einem neuen Schlafplatz. Älteren Igeln gelingt dies in der Regel auch, Jungtiere können durch die Störung jedoch so geschwächt sein, dass sie unsere Hilfe benötigen. Anzeichen dafür sind Inaktivität und ein torkelnder Gang. Als Quartier können wir dem Tier im Garten ein Igelhaus mit Strohfüllung anbieten. Als Futter eignet sich frisches Katzenfutter aus der Dose, am besten gemischt mit gegartem Hackfleisch. Bevor Sie einen geschwächten Jungigel jedoch ganz in menschliche Obhut nehmen, sollten Sie sich an sachkundige Stellen wie den Pro Igel e.V. wenden. Weitere Informationen: www.pro-igel.de, Hotline: 0 18 05/5 55 95 51 (kostenpflichtig)

Winterschlaf von Siebenschläfern

Rekordhalter unter unseren heimischen Winterschläfern ist der Siebenschläfer, der bis zu sieben Monate lang in seinem mit Laub und Moos ausgepolsterten Versteck bleibt. Er nutzt dafür Boden- und Baumhöhlen, in unserer nächsten Nähe auch Nischen unter Schuppen- und Garagendächern. Während des Winters verliert er bis zur Hälfte seines Körpergewichts, kann dann aber gleich nach dem Aufwachen im Mai/Juni auf die Vorräte zurückgreifen, die er im Herbst mit ins die Nest genommen hat.

So halten Feldhamster Winterschlaf

Feldhamster ziehen sich je nach Region und Klima zwischen September/Oktober und März/ April komplett in ihren unterirdischen Bau zurück. In gelegentlichen Wachphasen können sie dabei von ihrem reichen Körnervorrat zehren, den sie in einer separaten Kammer eingelagert haben. 3 Rekordhalter unter unseren heimischen Winterschläfern ist.

Winterschlaf bei Murmeltieren

Bei Murmeltieren ist der Winterschlaf eine gesellige Angelegenheit, bis zu 20 Tiere wärmen sich gegenseitig in einem Bau.

Fledermäuse im Winterschlaf

Fledermäuse können ihre Körpertemperatur bis knapp über den Gefrierpunkt absenken, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Als Schlafplatz wählen sie Höhlen, Felsspalten oder auch leer stehende Gebäude. Kopfüber hängend hüllen sie sich in ihre Flughaut wie in einen Mantel.

Winterruhe

Deutlich häufiger sind die Schlafunterbrechungen bei der sogenannten Winterruhe, wie sie beispielsweise von Eichhörnchen, Dachs und Waschbär gehalten wird. Im wachen Zustand nehmen diese Tiere regelmäßig Nahrung auf und scheiden Verdautes aus. Durch ausgiebigen Schlaf reduzieren sie zwar ihren Energieverbrauch, ihre Körpertemperatur bleibt jedoch konstant hoch.

Eichhörnchen in der Winterruhe

Beim Eichhörnchen wechseln sich Phasen der Ruhe und Futtersuche regelmäßig ab, da sie sich keine üppigen Fettvorräte zulegen können. Sie sorgen jedoch vor, indem sie im Herbst reichlich Samen und Nüsse im Boden vergraben und mit ihrem guten Geruchssinn wieder finden. Als Unterschlupf bauen sie sich in Baumkronen kugelförmige Nester aus Ästen und Laub. 

So hält der Dachs Winterruhe

Der Dachs unterbricht seine Winterruhe je nach den Wetterbedingungen. Ist es mild, begibt er sich auf Nahrungssuche, ist es frostig kalt, kann er über Monate hinweg von seinem angefutterten Fettvorrat zehren. Die Ruhephasen verbringt er in einem unterirdischen Bau, den er mit seinen kräftigen Vorderbeinen gräbt und über Generationen hinweg im Familienverband bewohnt. Dabei hat er die wärmeren, tieferen Kammern für sich reserviert. Näher an der Oberfläche gelegene Höhlen überlässt er häufig dem Fuchs oder auch dem Iltis und Wildkaninchen.

Winterstarre

Eine ganz andere Strategie zur Überwinterung haben wiederum wechselwarme Tiere wie Fische, Reptilien (Schildkröten, Eidechsen, Schlangen) und Amphibien (Frösche, Kröten etc.). Auch Wirbellose wie Würmer, Schnecken und Insekten gehören dazu. Ihre Körpertemperatur entspricht der Umgebungswärme und beim Unterschreiten einer gewissen Schwelle gehen sie in die Kältestarre über, während der jegliche Bewegung und Nahrungsaufnahme unmöglich ist. Leichten Frost können sie kurzfristig durch eine erhöhte Glukosekonzentration in ihren Körperflüssigkeiten überstehen – auf Dauer brauchen sie jedoch einen geschützten Platz, um nicht zu erfrieren.

Viele Frösche, Kröten und Eidechsen verstecken sich hierzu in einer dicken Lage Herbstlaub. Fische überdauern in eisfreien tiefen Gewässerzonen, während sich die Europäische Sumpfschildkröte im schlammigen Teichgrund verkriecht. Spätestens dann, wenn sich eine geschlossene Eisschicht über ihren Lebensraum legt, ist sie vor Störungen gefeit. Für die Winterschläfer zu Land gilt dies leider nicht immer, allzu oft werden sie durch uns aufgescheucht und müssen sich eventuell sogar ein neues Quartier suchen. Dabei verlieren sie viel Energie, die sie dringend zur Überwinterung benötigen. Daher sollten wir gerade jetzt in der kalten Jahreszeit einen großen Bogen um die Rückzugsorte der Tieren machen – sei es der Laubhaufen im Garten oder dichtes Unterholz in Parkanlagen und Wäldern.

So verbringen Eidechsen die Winterstarre

Als wechselwarmes Reptil fällt die Zauneidechse bei niedrigen Temperaturen ebenfalls in Winterstarre. Da sie bei andauernden Minusgraden erfrieren würde, sucht sie sich schon im Spätsommer einen frostsicheren Unterschlupf zwischen Laub oder Totholz.

Wie überwintern Schnecken?

Weinbergschnecken sind während des Winters bestens geschützt, da sie sich tief in ihre Häuschen verkriechen und diese mit einem kalkhaltigen Sekret verschließen. Zudem graben sie sich zuvor in Erde ein und ziehen noch isolierende Pflanzenteile mit ins Versteck.

Winterstarre bei Marienkäfern

Heimische Marienkäfer wie der Siebenpunkt verbringen die kalte Jahreszeit, indem sie windgeschützte Stellen wie Baumhöhlen, Mauerritzen oder auch hohle Pflanzenstängel aufsuchen. Dabei rücken sie eng in großen Gruppen zusammen. Bei Frost senkt sich ihre Körpertemperatur bis auf 0 °C ab und ihr Stoffwechsel kommt nahezu zum Erliegen.

Unser Tipp

Igel im Winter unterstützen

Sie möchten Igeln im Winter ein tolles Zuhause in Ihrem Garten bieten? Hier finden Sie alles, was Sie rund um das Verhalten der Igel im Winter wissen sollten und viele nützliche Tipps, wie Sie die kleinen Nützlinge unterstützen könne.